Gerabronn

24. Juni  2014

Bei Vertreterversammlung EZB-Politik kritisiert

Volksbank Hohenlohe: Verbandsoberprüfer und Vertreter sind sich einig: Alles gut bei der ältesten Genossenschaftsbank in Deutschland / 250 Besucher nahmen teil


GERABRONN. 1843 gründeten 50 Bürger die „Öhringer Privatspar- und Leihkasse“. In den vergangenen 170 Jahren hat aus der ältesten Genossenschaftsbank in Deutschland die Volksbank Hohenlohe mit über 43 900 Mitgliedern und rund 340 Mitarbeitern, darunter fast 50 Auszubildende, entwickelt. Zur 170.  Vertreterversammlung fanden sich rund 250 Besucher, darunter über 160 Vertreter der Mitglieder, in der Stadthalle Gerabronn ein. Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Blumenstock begrüßte neben Gerabronns Bürgermeister Klaus-Dieter Schumm etliche weitere Vertreter von Kommunen, Verbundpartnern und Nachbargenossenschaften. Etliche Belege der für die Kommunen wichtigen Verbundenheit habe er im Geschäftsbericht gefunden, so Gerabronns Bürgermeister, der das dichte Geschäftsstellennetz insbesondere im Vergleich zum Rückzug von Behörden, Polizei und auch Poststellen aus der Fläche hervorhob. Geschätzt werde die Volksbank Hohenlohe als partnerschaftlicher Begleiter für die regionale Wirtschaft, als regionaler Steuerzahler und großer Arbeitgeber in der Region. „Die Volksbank macht ihre Sache sehr gut“, lobte Schumm. Der Vorstandsvorsitzende Edmund Wahl schickte seinem Bericht über das Geschäftsjahr 2013 einige politische Anmerkungen voraus: Besorgt blicke man auf ein Europa, in dem oft nationale Interessen im Vordergrund stehen und das „auf Dauer in Form eines europäischen Länderfinanzausgleiches nicht haltbar sein wird.“ Deutlich kritisierte er die EZBPolitik, die „europäische Hilfe im nördlichen und südlichen Europa unterschiedlich versteht“ und letztlich fördert, dass südeuropäische Banker kaum noch Interesse an Krediten für Mittelständler, Handwerk und Gewerbe haben, wenn Staatspapiere nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. In Deutschland macht Wahl einen „Vermögensverzehr“ aus, der einer „zwischenzeitlich nicht unmaßgeblichen Enteignung gleichkommt.“ Es könne nicht angehen, „in Zeiten höchster Steuereinnahmen und gut laufender Konjunktur über Neuverschuldung“ zu diskutieren „und die Rückzahlung der Verbindlichkeiten auf andere Generationen zu verlagern.“ Dringend mahnte Edmund Wahl die Angleichung europäischer Fiskal- und Rechtsnormen an, deutlich kritisiert er die Bankenabgabe auch für Genossenschaftsbanken, obwohl diese bis heute noch in keinem Fall staatliche Hilfe in Anspruch nahmen. Auch die Volksbank Hohenlohe zeichne sich durch überdurchschnittlich gute Eigenkapitalausstattung aus: Statt der gesetzlich vorgegebenen Solvabilitätskennziffer von 8 Prozent liegt sie bei der Volksbank Hohenlohe bei 29,5 Prozent. Im Geschäftsjahr 2013 erhöhten sich die Kundeneinlagen um knapp  30 Millionen Euro auf rund 1074 Millionen Euro, die Forderungen an Kunden verringerten sich um gut 5 Millionen Euro auf knapp 586 Millionen Euro. Erwirtschaftet wurde im Geschäftsjahr 2013 bei einem Bilanzgewinn von knapp 3,03 Millionen Euro ein Jahresüberschuss von knapp 3,8 Millionen Euro, was die Ausschüttung einer mit 7 Prozent angesichts des niedrigen Marktzinsniveaus weit überdurchschnittlichen Dividende ermögliche. Auf einstimmigen Beschluss der Vertreterversammlung wurde der bislang einprozentige Bonus der sechsprozentigen Dividende zugeschlagen. Die Ausschüttung beläuft sich auf gut 1,6 Millionen Euro, 1,4 Millionen Euro werden auf einstimmigen Beschluss der Vertreterversammlung der gesetzlichen Rücklage und anderen Ergebnisrücklagen zugewiesen. Verbandsoberprüfer Michael Kieser vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband berichtete über das Prüfergebnis und den erwartbar gewesenen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Einstimmig erfolgte die Entlastung  des Vorstandes wie des Aufsichtsrates für das Geschäftsjahr 2013. Der Aufsichtsrat, in dem jetzt für Franziska von Stetten, Michael Eißler und Karl Heer die Amtszeit endete, begleitete das erfolgreiche Geschäftsjahr engagiert. Alle drei genannten Aufsichtsratsmitglieder wurden von der Vertreterversammlung einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. ibra

Quelle: Fränkische Nachrichten